Steckbrief

Name:
Beute:
Anzahl Völker:
Standort:
Erfahrung:

Christina
Zander und Zadant
13 Völker
zwei Standorte in Wyhlen
Im ersten Jahr „Begleitung“ und praktische Unterstützung durch zwei „Imkerpaten“
Imkerkurs bei Norbert Uttner, Imkerverein Lörrach
Kurs „naturgemäße Bienenhaltung“, Verein BienenCoop, Freiburg i.Br.
Honig-Lehrgang bei Walter Falger, Imkerverein Schönau/Schw.

Wie ich zu Bienen kam…

Schon immer habe ich Tiere und die Natur geliebt…aber an eigene Bienenhaltung habe ich nie gedacht. Dann, im Frühjahr 2015, bei einem Besuch eines Honigstandes an der Regiomesse in Lörrach, kamen mein Mann und ich mit einem Imker aus Grenzach-Wyhlen ins Gespräch. Wir haben ihm angeboten, er könne doch einen Bienenstock in unserem Garten aufstellen. Seine Antwort verblüffte uns – warum wir das nicht selber machen? Man könne alles lernen… Das hat uns neugierig gemacht. Einige Tage später haben wir den Imker an seinem Bienenstand besucht. Trotz großem Respekt vor den vielen summenden Bienen um uns herum waren wir gleich fasziniert und beeindruckt von diesen fleißigen Tieren. Und als der Imker uns noch ein Rähmchen – voll besetzt mit Bienen – in die Hand gedrückt hat, war es um uns geschehen.

Wir haben uns beim Imkerverein angemeldet, an ein paar „Hocks“ teilgenommen und wir durften einigen erfahrenen Imkern an ihren Bienenständen über die Schulter schauen. Gleichzeitig habe ich noch einen Imkerkurs des Imkervereins Lörrach belegt. Je mehr ich über die Bienen bzw. den Organismus „Bien“ gelernt habe, desto interessanter wurde es. Bis heute bin ich beeindruckt von den erstaunlichen Fähigkeiten dieser Lebewesen, die ihr eigenes Leben voll in den Dienst des Gemeinwohls stellen – das Überleben des Volkes steht an erster Stelle.

Unsere Bienen…

Schon im gleichen Jahr durften wir unsere ersten Bienen zuhause begrüssen…Wir haben mit zwei Völkern begonnen, die wir von Vereinsmitgliedern bekommen haben. Die Bienen haben wir bei uns zuhause im Garten aufgestellt und jeden Abend, nach der Arbeit, haben wir uns zu den Bienenstöcken gesetzt und das emsige Treiben betrachtet. Allein die Beobachtung des Einflugloches war schon spannend – der Flugbetrieb, die brummenden Drohnen und die Arbeiterinnen, die oft mit dicken, bunten Pollenhöschen angeschwirrt kamen. Die Wächterbienen am Flugloch haben genau aufgepasst, wen sie reinlassen wollen und wen nicht.

Bei den regelmäßigen Durchsichten der Bienenvölker haben uns anfangs unsere Imkerpaten vom Verein zur Seite gestanden, denn es gab trotz absolviertem Imkerkurs immer ein paar Fragen. Da waren wir froh, von den langjährigen Erfahrungen zu profitieren.

Völker und Beutengröße…

Unser erster Imkerpate hat auf Zandermaß geimkert. Da wir von ihm auch unser erstes Volk bekommen haben, haben wir dieses Maß auch für uns übernommen. Beim dem Besuch des Bienenhaltungskurses in Freiburg haben wir die Dadant-Betriebsweise kennengelernt. Uns war es sympathisch, das Brutnest auf einer Zarge konzentriert und nicht auf zwei Zargen verteilt zu haben, wie es bei größeren Wirtschaftsvölkern auf Zander üblich ist. Wir haben angefangen, teilweise auf das Zadantmaß umzustellen. So mussten wir nicht alle Beuten komplett neu kaufen, sondern konnten teilweise unsere Zargen (mit Aufsatz-Rahmen) weiterverwenden. Nur die Honigräume, die wir im Zandermaß behalten haben, die machen uns etwas zu schaffen. Bringen unsere Bienen fleißig Honig, werden diese Kisten sehr schnell sehr schwer – oft über 20 kg – und es ist ein Kraftakt, diese immer für die Durchsicht der darunterliegenden Bruträume abzunehmen.
Inzwischen haben wir 13 Bienenvölker und damit eigentlich zu viele. Da wir beide Vollzeit berufstätig sind, ist unsere Freizeit knapp bemessen. Besonders im Frühjahr und Sommer verbringen wir viel Zeit bei und mit unseren „Mädels“. Mindestens einmal in der Woche muß die Durchsicht erfolgen, ob alles in Ordnung ist – wie es den Bienen geht, ob die Königin da ist, Eier legt, genügend Brut vorhanden ist, ausreichend Futter vorrätig ist und ob das Volk womöglich in Schwarmstimmung kommt.

Trotz regelmäßiger Kontrolle sind manche unserer Bienenvölker ausgeschwärmt – das ist die natürliche Vermehrung der Bienen. Dabei fliegt die Bienenkönigin zusammen mit der Hälfte des Volkes aus, um sich ein neues Zuhause zu suchen. Die andere Hälfte der Bienen bleibt im Stock. Um deren Fortbestand zu sichern, werden meist mehrere Jungköniginnen herangezogen. Eine dieser Königinnen wird nach ihrem Schlupf ausfliegen und dabei von mehreren Drohnen begattet. Danach wird sie die nächsten 3 bis 5 Jahre das neue „Staatsoberhaupt“ werden…oder nach 1 – 2 Jahren ebenfalls „schwärmen“.
Die mit der „alten“ Königin im Schwarm ausfliegenden Bienen füllen sich den Bauch voll mit Honigvorrat, um dem Volk für einige Tage das Überleben zu sichern. Mit gefüllter Honigblase sind die Schwarm-Bienen sehr friedlich und stechen nur im äußersten Notfall. Zum Glück haben wir überwiegend verständnisvolle Nachbarn, die das beeindruckende Schauspiel eines Bienenschwarmes interessiert verfolgen und uns ggf. informieren, wenn wir gerade nicht zuhause sind. In den letzten Jahren haben wir einige Bienenschwärme eingefangen, wobei dies manchmal eine abenteuerliche Angelegenheit war. So hat sich unsere Völkerzahl zusehends erhöht. Wir haben daher seit ein paar Jahren einen weiteren Standort gefunden, wo wir einen Teil unserer Bienenvölker aufstellen konnten.

 

More than Honey…

Auch wenn es, gerade im Frühjahr, viel Arbeit ist und einiges an Zeit kostet, wollen wir dieses besondere Hobby nicht mehr missen. Ein schöner „Nebeneffekt“ ist der süße Lohn, den Honig, den wir ein- bis zweimal im Jahr ernten dürfen. Diese Momente erfüllen mich stets mit großer Demut und Dankbarkeit, wenn ich mir vor Augen führe, dass eine Arbeitsbiene in ihrem kurzen, knapp 5 Wochen dauernden Leben maximal 1 Teelöffel Honig produzieren kann.
Da die Bienen im Umkreis von rund 5 km um ihren Stock Nektar sammeln und es wetterbedingt unterschiedliche Blütenentwicklungen gibt, ist es jedes Jahr aufs Neue spannend, wie der Honig schmeckt. Denn je nach Angebot schmeckt der Honig nach Akazie, Obstblüten, Löwenzahn, Linde oder auch Wald – oder eine Mischung aus allem.
Anfangs haben wir den Honig unserer zwei Völker nur für uns genommen sowie Freunde und Nachbarn damit beschenkt. Nun dürfen wir mit unseren vielen Völkern so viel Honig ernten, dass wir diesen inzwischen auch verkaufen. Dafür sind zwei meiner Kollegen und ich alle zwei Wochen mit einem kleinen Verkaufsstand auf dem Grenzacher Wochenmarkt.

Für meinen Mann und mich ist die Bienenhaltung mehr als ein Hobby, wir geniessen die Zeit mit den Bienen. Bei den „Mädels“ können wir abschalten, unseren streßigen Alltag hinter uns lassen und zur Ruhe kommen. Das Gedicht von Edmund Herold „Der Bienen-Narr“ finde ich hier genau passend:

Wenn ich zu meinem Stande geh
Und tausend Bienen um mich seh
Und hör das altvertraute Summen
Dann müssen Leid und Gram verstummen.

Dann denk ich nicht an Gut und Geld,
Nicht an den Hader in der Welt,
Nicht an den Lärm auf allen Gassen,
Nicht an der Feinde grimmes Hassen,

Noch an der Freunde Neid und Spott;
Dann dank ich still nur meinem Gott,
Dass er im Tollhaus dieser Erden
Dies Heim des Friedens mir lies werden.

Kehr ich vom Bienenstand zurück,
Ist aufgehellt der trübe Blick.
Denn, was mir grau und schwer erschienen,
Das gab ich meinen lieben Bienen.

Die trugens in die Luft hinaus,
Gleich allem Schmutz aus ihrem Haus,
Und was sie mir dafür gegeben,
Ist neue Kraft zu frohem Leben.