Aktuelles

Als wir vom Klassikanderswo Team gefragt wurden, ob wir zum diesjährigen Geschichtsthema und der Imkerei in Wyhlen etwas beitragen wollen, haben wir uns sehr gefreut! Hier das Ergebnis aus den alten Unterlagen, viel Spaß beim Lesen! (kompletter Artikel bei http://imkerverein-grenzach-wyhlen.de/wp-content/uploads/2019/10/Geschichtsheft-2019-Imkerverein.pdf

In den 30er Jahren gab es in Wyhlen um die 20 Imker, die teils wenige, teils aber auch bis zu 40 Bienenvölker betreuten. Sie waren Landwirte, Fabrikarbeiter, Handwerker, Ladenbesitzer. Einer der größeren Imker, Heinrich Schmidt, ist sicher noch einigen Lesern bekannt. Die Bienenprodukte fanden selbstverständlich einen Platz in seinem Dorfladen. 1946 wurde er als Bienensachverständiger für Wyhlen bestellt.

Im Verhältnis zur Einwohnerzahl kam damals 1 Bienenvolk auf ca. 16 Einwohner, während sich heute etwa 175 Einwohner ein Bienenvolk „teilen“ müssen.
In dem Zusammenhang lohnt sich ein Blick auf die damalige Bevölkerungsstruktur und damit verbunden die Bebauung und Nutzung des Bodens. Von Mitte des 19. Jahrhunderts mit ca. 1000 Einwohnern wuchs Wyhlen nur langsam auf etwa 3000 Einwohner bis zum 2. Weltkrieg. Anfangs bestand der Ort aus wenigen Straßen (nördlich begrenzt von der Himmelspforte, der Klosterstraße bis zum Dorfplatz, und im Wesentlichen bäuerliche Anwesen entlang der Kirch- und Rheinstraße). Das gesamte Land bis zum Rhein, und die Flächen ums Dorf waren landwirtschaftlich genutzt. Am Hang gab es Reben, in einem engeren Umkreis um die Wohnbebauung Weiden und Wiesen, der ganze Rest war Ackerland. Jedes Haus hatte einen mehr oder weniger großen Obst- und Gemüsegarten. Ein Blick auf ein Foto von Wyhlen im Jahr 1944 zeigt einen großen Anteil Bäume, zumeist Streuobstwiesen. Das Obst (vor allem Kirschen, Nüsse und Mostbirnen, aber auch Zwetschgen entlang der Bachläufe) wurde direkt gegessen, eingekocht, oder fand seinen Weg ins Most- oder Brennfässle.

Die vielen Obstbäume boten natürlich eine unerschöpfliche Nahrungsquelle für die Honigbienen, und in der landwirtschaftlichen Struktur der Zeit wuchsen deutlich mehr blühende Pflanzen. Einerseits gab es durch die kleinteiligen Flächen mehr Hecken und wildwachsende Blumen. Andererseits erforderte das Arbeiten mit Ochsen, Pferden und manchmal Kühen den verstärkten Anbau von Futter wie z.B. Klee. Durch den Anbau nach Fruchtfolge und ohne Spritzmittel hatten mehr Blumen Zeit zu blühen.

Die Ortsfachgruppe Wyhlen, zu der die Imker der Ortschaften Grenzach, Wyhlen, Rührberg, Herten und Degerfelden gehörten, trat als selbstbewusster Verein auf. In mehreren erhaltenen Schreiben der Jahre 1927 – 1941 treten sie für die Imkerschaft ein und bitten beim Bürgermeisteramt um Unterstützung, „da durch die Bienen dem Obstbau und der Landwirtschaft ein übergroßer Nutzen gebracht wird“ und „wir auf den hohen hygienischen Wert und die volkswirtschaftliche Bedeutung des echten einheimischen Bienenhonigs hinweisen wollen, was jetzt auch von der Ärztewelt allgemein anerkannt wird.“

Ein starkes Verbundensein innerhalb der Imkerschaft, aber auch der Dorfgemeinschaften, zeigte sich 1939, als etliche Imker einberufen wurden und damit ihre Bienenvölker zurücklassen mussten. Die Kreisimkerschaft rief alle Ortsgruppen und auch die Bürgermeisterämter dazu auf, die verwaisten Bienenvölker solidarisch zu versorgen.

Im September 1939 war es auch, als Bezugsscheine für Zucker bis auf Weiteres ausgesetzt wurden. Besitzer von Bienen konnten dennoch 7,5 kg Zucker je Bienenstock für die Winterfütterung beantragen. Sie mussten eidesstattlich erklären, dass sie diesen Zucker nur für diesen Zweck verwenden.

Ein interessantes Zeitzeugnis ist in dem Zusammenhang auch die Naturschutzverordnung von 1936, in der sämtliche wildwachsenden Heilpflanzen gelistet sind, die in den Wäldern und Feldern vorkamen, mit ihrem Schutzstatus.
Auf Antrag konnte man einen Sammlerausweis erhalten, womit festgelegte Heilpflanzen in bestimmten Gebieten gesammelt und auf eigene Rechnung verkauft werden durften. In Wyhlen hatte 1938 ein Rentner solch einen Sammelausweis, der damit seine Invalidenrente von 42,60 RM aufzubessern hoffte.

Das Nachforschen über die damalige Zeit zeigt, dass das Leben weitaus mehr als heute von der Natur und der Landwirtschaft geprägt war, genug Raum vorhanden war für Pflanzen und alle Bewohner, wovon Menschen und Natur profitieren konnten. Aber das Leben war auch arbeitsreich und hart.
Die Zeit hat sich verändert. Wir können uns aber immer noch anschauen, was positiv war und was wir heute vermissen. Vielleicht lässt sich manches Gute wieder einrichten.

Archiv Monatsbetrachtungen

Monatsbetrachtung Februar 2019

Monatsbetrachtungen 2018